A Space for the Unknown
Listening for what is quietly unfolding.
This newsletter is bilingual (English above, German below).
Dieser Newsletter ist zweisprachig (Englisch oben, Deutsch unten).
At the beginning of the year, I mapped out a series of workshops. The second, scheduled for July, was to be built around sound and resonance. I had singing bowls, an intention, and what felt like a clear direction. For a while, that was enough. And then, gradually, it wasn’t.
The shift began as a quiet sense that something didn’t quite fit. The bowls felt limited for what I had imagined. The practicalities became uncertain. And underneath all of that, a realisation came: this doesn’t fit anymore.
When that kind of questioning surfaces, I notice a familiar pull toward the people I trust. I talked to my family, and they made jokes about my musical skills, which helped loosen something. With the realisation I was a bit out of my depth here. And then, without any deliberate search, I met a percussionist. Almost on impulse, I asked whether he might want to play music for a meditation. Luckily, he agreed.
We met without a fixed plan, just to see what might emerge. The music was nothing like what I had associated with a meditation space, not ambient or hovering, but rhythmic, textured, alive with pulse and movement. Something in it surprised me.
He mentioned the sound of the drums, like camels walking through the desert. At one point, he shared a story. Two people walking into the desert. Different intentions, different choices, different outcomes. And only at the end does it become clear: they are not two people. They are one, moving through the same inner landscape from two entirely different inner positions. Something in that story stayed with me.
It was a turning point of a quiet kind. What was unfolding didn’t match my plan, but it held something I recognised, a certain aliveness. The question shifted from how to adjust the structure to whether I was willing to let it go. Whether I could stay open without immediately reaching for a new form of certainty. Trust, in that moment, didn’t feel like a feeling. It felt like a decision.
Since then, my attention has been moving in a direction I hadn’t anticipated. I find myself drawn to stories: Sufi stories, early Christian desert teachings, Buddhist lineages that have long accompanied my own practice. As territory to enter slowly, through storytelling.
Interestingly enough, I find myself looking for the women. The Desert Fathers are widely known as those early Christian monastics who withdrew into the wilderness in search of transformation. What is spoken of far less are the Desert Mothers, the Ammas. Women who made the same radical choice. Some lived in communities, some in deep solitude. Many wrote. Much of what they wrote was never kept.
I notice how much it requires active searching. The absence isn’t absolute, but it shapes what is easily visible. I keep wondering how differently we might understand the contemplative path if the female voices had been carried forward more fully.
The same pattern appears in Buddhism. The stories of realised women exist, women who walked the path all the way through. But they are not always foregrounded. They are present, often just beyond what the eye lands on first, asking for a different quality of attention.
As a woman who feels genuinely called to this life, to practice, to teaching, to the kind of inner work that doesn’t fit neatly into a schedule, I feel the absence. And also its strange invitation. To look harder. To follow the thread even when it is thin.
Teresa of Ávila keeps returning to me through Caroline Myss book “The Inner Castle”. Now she arrives again, her words land in a different place than they did before.
The past few years have been, in many ways, a long process of making space. After leaving a long relationship, much of what I had built my life around loosened. There are days when that openness feels uncertain, even exposing. And there are days when it feels like exactly the condition something new requires in order to find its way in.
To become a vessel, something first has to be set down.
The plans for this summer. The assumption was that I already knew the shape of my work. The need to resolve the uncertainty before moving. In the space that remained, a musician appeared with a story about two people who were one, walking differently through the same desert.
I don’t know which stories will find their way into the room, or which traditions will speak most clearly on the given day. What I do know is that something is unfolding, and that my work right now is less about defining it than about remaining available to it.
The path has changed direction. For now, that feels like enough.
Sarah
Ein Raum für das Unbekannte
Präsent sein, was sich leise entfaltet.
Zu Beginn des Jahres habe ich eine Reihe von Workshops geplant. Der zweite, der für Juli vorgesehen war, sollte sich um Klang und Resonanz drehen. Ich hatte Klangschalen, eine Absicht und das Gefühl, eine klare Richtung zu haben. Eine Zeit lang reichte das aus. Doch dann, ganz allmählich, stimmte es nicht mehr.
Die Veränderung begann mit einem leisen Gefühl, dass etwas nicht ganz passte. Die Klangschalen schienen mir für das, was ich mir vorgestellt hatte, zu begrenzt. Die praktischen Aspekte wurden ungewiss. Und hinter all dem kam mir die Erkenntnis: Das passt nicht mehr.
Wenn solche Zweifel aufkommen, spüre ich ein vertrautes Ziehen hin zu den Menschen, denen ich vertraue. Ich sprach mit meiner Familie, und sie machten Witze über meine musikalischen Fähigkeiten, was mir half, etwas loszulassen. Mit der Erkenntnis, dass ich hier ein bisschen überfordert war. Und dann, ohne bewusst danach gesucht zu haben, traf ich einen Percussionisten. Fast aus einem Impuls heraus fragte ich ihn, ob er vielleicht Lust hätte, Musik für eine Meditation zu spielen. Zum Glück sagte er zu.
Wir trafen uns ohne festen Plan, einfach um zu sehen, was dabei entstehen könnte. Die Musik war ganz anders als das, was ich mit einem Meditationsraum verbunden hatte – nicht beruhigend oder sanft, sondern rhythmisch, strukturiert, lebendig, voller Puls und Bewegung. Etwas daran überraschte mich.
Er erwähnte den Klang der Trommeln, der an Kamele erinnere, die durch die Wüste ziehen. An einer Stelle erzählte er eine Geschichte. Zwei Menschen, die in die Wüste gehen. Unterschiedliche Absichten, unterschiedliche Entscheidungen, unterschiedliche Ergebnisse. Und erst am Ende wird klar: Es sind nicht zwei Menschen. Sie sind eins und bewegen sich aus zwei völlig unterschiedlichen inneren Positionen heraus durch dieselbe innere Landschaft. Etwas an dieser Geschichte blieb mir im Gedächtnis.
Es war ein stiller Wendepunkt. Was sich da entfaltete, entsprach nicht meinem Plan, aber es barg etwas, das ich wiedererkannte: eine gewisse Lebendigkeit. Die Frage verlagerte sich von der Frage, wie ich die Struktur anpassen könnte, hin zu der Frage, ob ich bereit war, sie loszulassen. Ob ich offen bleiben konnte, ohne sofort nach einer neuen Form der Gewissheit zu greifen. Vertrauen fühlte sich in diesem Moment nicht wie ein Gefühl an. Es fühlte sich wie eine Entscheidung an.
Seitdem bewegt sich meine Aufmerksamkeit in eine Richtung, die ich nicht erwartet hatte. Ich fühle mich zu Geschichten hingezogen: Sufi-Geschichten, frühchristliche Wüstenlehren, buddhistische Traditionen, die meine eigene Praxis schon lange begleiten. Als Terrain, in das ich langsam eintauche – durch Geschichtenerzählen.
Interessanterweise ertappe ich mich dabei, wie ich nach den Frauen suche. Die Wüstenväter sind weithin bekannt als jene frühchristlichen Mönche, die sich auf der Suche nach Verwandlung in die Wildnis zurückzogen. Weitaus weniger wird von den Wüstenmüttern, den Ammas, gesprochen. Frauen, die dieselbe radikale Entscheidung trafen. Einige lebten in Gemeinschaften, andere in tiefer Einsamkeit. Viele schrieben. Vieles von dem, was sie schrieben, ist nicht erhalten geblieben.
Mir fällt auf, wie viel aktives Suchen dafür nötig ist. Die Abwesenheit ist nicht vollständig, aber sie prägt das, was leicht sichtbar ist. Ich frage mich immer wieder, wie anders wir den kontemplativen Weg vielleicht verstehen würden, wenn die weiblichen Stimmen umfassender weitergegeben worden wären.
Das gleiche Muster zeigt sich im Buddhismus. Es gibt Geschichten von erleuchteten Frauen, von Frauen, die den Weg bis zum Ende gegangen sind. Aber sie stehen nicht immer im Vordergrund. Sie sind präsent, oft gerade jenseits dessen, worauf der Blick zuerst fällt, und erfordern eine andere Art der Aufmerksamkeit.
Als Frau, die sich zu diesem Leben hingezogen fühlt, zur Praxis, zu den Lehren und zu jener Art innerer Arbeit, die sich nicht nahtlos in einen Zeitplan einfügen lässt, spüre ich diese Abwesenheit. Und auch ihre seltsame Einladung. Genauer hinzuschauen. Dem Faden zu folgen, auch wenn er dünn ist.
Teresa von Ávila kehrt durch Caroline Myss’ Buch über „Die innere Burg“ immer wieder zu mir zurück. Nun taucht sie wieder auf, und ihre Worte landen an einem anderen Ort als zuvor.
Die letzten Jahre waren in vielerlei Hinsicht ein langer Prozess des Platzschaffens. Nachdem eine langjährige Beziehung zu Ende gegangen war, löste sich vieles, worauf ich mein Leben aufgebaut hatte. Es gibt Tage, an denen sich diese Offenheit unsicher anfühlt, sehr verletzlich. Und es gibt Tage, an denen es sich genau wie der Zustand anfühlt, den etwas Neues braucht, um seinen Weg hereinzufinden. Um ein leerer Raum zu werden, musste ich zunächst etwas ablegen.
Die Pläne für diesen Sommer. Ich war davon ausgegangen, dass ich die Form meiner Arbeit bereits kannte. Das Bedürfnis, die Ungewissheit zu lösen, bevor ich weitergehe. In dem übrig gebliebenen Raum tauchte ein Musiker auf mit einer Geschichte über zwei Menschen, die eins waren und auf unterschiedliche Weise dieselbe Wüste durchquerten.
Ich weiß nicht, welche Geschichten ihren Weg in den Raum finden werden oder welche Traditionen in dieser Meditation im Juli am deutlichsten zu Wort kommen werden. Was ich weiß, ist, dass sich etwas entfaltet und dass es bei meiner Arbeit im Moment weniger darum geht, es zu definieren, als vielmehr darum, dafür offen zu bleiben.
Mein Weg hat eine neue Richtung aufgenommen. Für den Moment fühlt sich das genug an.
Sarah


Liebe Sarah, dieser Link könnte dich interessieren:
https://www.youtube.com/watch?v=sp9YEATHf78&t=982s
Es geht um Buddah's Frau...
Ich freue mich für dich und werde versuchen, im Juli dabei zu sein (vielleicht sogar life...):-)
Herzlichst
Sabine
What a beautiful unfolding indeed. I love how the creativity of story and the invitation to open to the unknown has deeply presented it self and very act of surrendering into that uncertainty. I love stories, they make me feel creative and a child like essence that invites play and imagination and connects me to my heart. Thank you for the share Sarah.